Der 23. September ist Bi Visbility Day – ein Tag, der schon seit 1999 begangen wird, um die Existenz und Sichtbarkeit von bisexuellen Menschen zu feiern. Denn: Viel zu oft werden sie als hetero- oder homosexuell betrachtet, abhängig vom (angenommenen) Geschlecht ihrer jeweiligen Partner*innen. Dabei ist ‚Bisexualität’ eine eigene sexuelle Orientierung mit eigenen Erfahrungen und Problemen. Dies zu ignorieren hat weitreichende Konsequenzen: Die Unsichtbarkeit von und Feindlichkeit gegenüber Bisexuellen verhindert und verstärkt die Gewalt, psychische Belastungen und sogar Armut, die sie erleben. Damit muss endlich Schluss sein!
Anlässlich des „Bi Visibility Day“ (Sichtbarkeitstag für Bisexuelle) am 23. September 2017 erklärten Petra Nowacki, Bundesvorsitzende der SPDqueer, sowie Elia Scaramuzza, Bundesvorstandsmitglied der SPDqueer:
Denn trotz der von der SPD durchgesetzten Eheöffnung, die auch bisexuellen Menschen zugutekommt, sind Bisexuelle mit zahlreichen Vorurteilen konfrontiert, die letztlich in Diskriminierung münden: So lauten weit verbreitete Ansichten, dass Bisexualität gar nicht existiere, nur eine Phase sei oder bisexuelle Menschen sich nicht entscheiden könnten oder wollten. Ein weiteres Vorurteil ist, dass Bisexuelle nicht treu sein könnten und sexuell stets verfügbar seien.
Vor diesem Hintergrund ist es kein Zufall, dass bisexuelle Frauen häufiger und in besonderer Art und Weise von sexualisierter und häuslicher Gewalt betroffen sind als hetero- oder homosexuelle Frauen. Das beweisen auch zahlreiche Studien (wie die National Intimate Partner and Sexual Violence Survey 2010). Kein Zufall ist auch, dass sie sich oft in prekären sozialen und wirtschaftlichen Lebenssituationen befinden und seltener geoutet sind. Das hat Einfluss auf ihre körperliche und psychische Gesundheit: Bisexuelle sind statistisch gesehen häufiger von psychischen Krankheiten und Krisen wie Depressionen, Angstzuständen, Selbstverletzendem Verhalten und Suizid betroffen und erfahren eine schlechtere Gesundheitsversorgung als Hetero- oder Homosexuelle.
Es zeichnet sich also das klare Bild ab: Die Unsichtbarkeit von Bisexuellen hat fatale Konsequenzen für ihre Gesundheit, ihre Sozialisierung, ihr wirtschaftliches Wohlergehen sowie die Finanzierung von Bi-Organisationen und –Programmen.
Für uns als SPDqueer ist klar, dass dies so nicht mehr weitergehen kann. Auch in Deutschland müssen Bisexuelle als eigenständige Gruppe adressiert werden, um ihre Lebenssituation zu verbessern. Wir wollen Bisexualität als eigene sexuelle Orientierung mit eigenen Erfahrungen und Problemen stärken und die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Bisexuelle mehr Sichtbarkeit und Unterstützung erfahren – sei es durch vermehrte Beratungsangebote oder Aufklärungs- und Förderprogramme. Den ‚Bi Visibility Day’ zu feiern, ist hierfür ein guter Anfang.